Letztes Update: 06.09.2010
Die Klarinette ist ein transponierendes Musikinstrument aus der Familie der Holzblasinstrumente. Sie hat eine vorwiegend zylindrische Bohrung und ist mit einem Mundstück mit einfachem Rohrblatt ausgestattet.
Obwohl die Klarinette ein Holzblasinstrument ist (normalerweise aus Grenadill-, Buchsbaum- oder Ebenholz), gibt es auch Klarinetten aus Metall und aus Kunststoff. Sie besteht aus fünf Einzelstücken: Mundstück, Birne, Oberstück, Unterstück und Trichter. Das Mundstück der Klarinette ist gewöhnlich aus Kunststoff (Hartgummi oder Acryl), seltener aus Holz. Es gibt aber auch Glas- und sogar Metallmundstücke. Der eigentliche Tonerzeuger ist das "Blatt", das auf das Mundstück befestigt wird. Es ist fast immer aus Rohrholz (Pfahlrohr, lat. Arundo donax), da Kunststoffe derzeit noch nicht zu einem ausgezeichneten Klang führen. Zur Befestigung werden Metallhalter, Bänder oder auch Schnüre verwendet.
Das zweite Register der Klarinette überbläst in die Duodezime (zwölf Töne über dem Grundton), was ihr einen großen Tonumfang beschert. Das dritte Register überbläst zwei Oktaven und eine Terz. Der gesamte Tonumfang beträgt mehr als 3 Oktaven.
Das "Klarin" im Namen bedeutet schrill, dies bezieht sich aber lediglich auf die hohen Register dieses Instruments. Andere Deutungen führen den Namen des Instruments darauf zurück dass es als Ersatz für die schwer zu blasenden mittelalterlichen Trompeten (Clarin genannt) gedacht war. Klarinettenspieler nennt man auch Klarinettisten.
Die Klarinette ist seit Mozart fester Bestandteil der Bläsergruppe in klassischen Orchestern. Sie wird dort für Verzierungen und Soloeinwürfe benötigt. Die Klangfarbe ist sehr lieblich. Verwendet wird im Orchester hauptsächlich der mittlere Tonbereich. Es gibt auch eine reiche Literatur an wunderbaren Klarinettenkonzerten, das bekannteste dürfte das "Konzert für Klarinette und Orchester A-Dur KV 622" von Wolfgang Amadeus Mozart sein. Auch Carl Maria von Weber und Mitglieder der Stamitz-Familie schrieben bekannte und bis heute häufig aufgeführte Klarinettenkonzerte.
In Blasorchestern und Militärkapellen wird die Klarinette für schnelle Solopassagen verwendet. In Blasmusikbearbeitungen symphonischer Werke übernehmen die Klarinetten häufig die Geigenstimmen. Die Klarinette spielt dort weitgehend in ihrem oberen Tonbereich, in dem sie sich leicht von den anderen Instrumenten abhebt.
Im Jazz ist die Klarinette aus der Mode gekommen und wurde durch das Saxophon verdrängt. Im Dixieland Jazz war sie üblich für schnelle Passagen. Im Swing war sie auch Soloinstrument, entweder hoch spielend oder durch Mikrophon verstärkt.
Im Klezmer und der osteuropäischen Volksmusik findet die Klarinette reiche Verwendung als Solo- oder Begleitinstrument.
International hat sich das so genannte Französische oder Boehm-System durchgesetzt, in Deutschland(und anderen deutschsprachigen Ländern) ist das Deutsche oder Müller-System verbreitet. Neben Unterschieden in der Griffweise benutzt das Boehmsystem ein Mundstück mit weiterer Öffnung und ein breiteres Blatt. Dadurch ist der Klang der Boehm-Klarinette flexibler, obertonreicher. Der Klang der Deutschen Klarinette wirkt reiner und wärmer. Da jedoch das Mundstück, das Blatt, und hautpsächlich der Spieler wesentlich zum Klangergebnis beitragen, kann natürlich auch auf Boehm-Klarinetten ein sehr reiner Klang erzeugt werden. In Österreich findet sich wie in Deutschland das deutsche Griffsystem, wobei es hier deutliche Unterschiede bezüglich der Mundstücke und Blätter gibt. Die Zusammenarbeit des Wiener Philharmonikers Rudolf Jettel mit dem tiroler Instrumentenbauer Othmar Hammerschmidt trug ebenso zur Legendenbildung bei wie die des Berliner Philharmonikers Karl Leister mit der Firma Wurlitzer (hier mögen die Kollegen aus Deutschland ergänzend wirken).
Die Diskussionen über "den" Klarinettenton könnten Bücher füllen, jedenfalls füllen sie Abende, wenn sie von Klarinettisten geführt werden (was im Dunstkreis der vielen Ausbildungsstätten der westlichen Welt nach Konzerten und Klassenabenden z.T. bis in die frühen Morgenstunden gepflegt wird).
Die Grifftechnik der deutschen Klarinetten ist etwas näher an modernen Saxophonen. Typisch sind vor allem Rollverbindungen zwischen Klappen. Das Boehm-System kommt ohne Rollverbindungen aus. Es vermeidet einige Gabelgriffe und kommt daher Anfängern entgegen. Die Unterschiede sind jedoch im Endeffekt nicht relevant.
Es gibt traditionell starke Verfechter des einen oder anderen Systems. Es gibt klassische Spitzensolisten mit dem einen und dem anderen System. Innerhalb nicht-klassischer Musik, insbesondere dem Jazz, ist das Boehmsystem stärker verbreitet als das deutsche System.