Letztes Update: 04.02.2012
Der Standard-Aufbau
Dem Schlagzeuger sind im Aufbau seines Instruments scheinbar keine Grenzen gesetzt. Trotzdem hat sich ein Standard-Aufbau, nämlich ein fünfteiliges "Set", etabliert. Dieses setzt sich aus fünf Trommeln zusammen:
* eine Kleine Trommel, englisch Snare-Drum genannt
* einer Bassdrum (die größte, senkrecht stehende und per Fußpedal gespielte große Trommel)
* zwei verschieden großen Hängetoms (an der Bassdrum befestigt)
* ein Stand- oder Floortom (eine große, tiefe, auf dem Boden stehende Trommel)
Dazu kommen mehrere Becken (englisch Cymbal), in der Regel in der folgenden Aufstellung:
* ein Hi-Hat (zwei Becken, die an einem Ständer übereinander befestigt sind und mittels eines Fußpedals kontrolliert werden)
* ein Ridebecken (großes, schweres, tief klingendes Becken)
* ein oder mehrere Crash- und Splashbecken (kleinere Becken für Akzente und Effekte)
Kernstück des Schlagzeugs ist die kleine Trommel (Snaredrum) mit einem Teppich aus Metallspiralen bzw. -schlingen am Resonanzfell (daher auch "Snare" bzw. Snareteppich: von engl. "snare" = Schlinge, Saite), der den markanten Klang bewirkt. Sie steht zentral vor dem Musiker. Durch ihre Bauweise kann auf ihr mittels verschiedenster Techniken eine Fülle von Klängen erzeugt werden - ob streichelnd-sanft mit Besen oder hart und akzentuiert mit sogenannten Rim-Shots, also Schlägen mit auf Rahmen und Fell gleichzeitig. Eine genaue Beschreibung findet sich im Artikel Kleine Trommel.
Alle anderen Trommeln des Schlagzeugs sind saitenlos. Die Bassdrum wird dabei als einzige mittels eines Fußpedal gespielt, die anderen Trommeln, Toms genannt, werde hingegen mit den in den Händen gehaltenen Stöcken bedient.
Hinzu kommen ein Vielzahl von Becken, wobei diese unterschiedliche Funktionen erfüllen. Das meist tief klingende Rhythmus- oder auch Ridebecken dient dem Spielen eines durchgängigen Rhythmus mit der Hand. Zum gleichen Zweck dienen auch die HiHat-Becken, die auf einem Ständer mit Pedal zum Schließen der Hihatbecken befestigt sind. Jedoch kann es auch zum Setzen von Akzenten und Effekten eingesetzt werden. Crashbecken wiederum dienen ausschließlich der Akzentuierung, oft zugleich mit der Bassdrum. Hinzu treten Effektbecken mit speziellen Klangfarben, wie Splash- oder China-Becken. Die Beats (also Zählzeiten oder Schläge) auf den Becken setzen alle übrigen Schläge auf dem Drumset sowie die Rhythmen der ganzen Band in Beziehung und bilden ein raumfüllendes Hintergrundrauschen, wie vergleichsweise Schüttel- oder Schrapinstrumente (z.B. Maracas oder Guiro) in lateinamerikanischer oder afrikanischer Musik ohne das hier dargestellte Schlagzeug.
Die Teilinstrumente sind dabei bei einem Aufbau für Rechtshänder bestimmten Gliedmaßen zugeordnet, wobei die Trommeln und auch die Hi-Hat in der Regel von beiden Händen betätigt werden. Dabei nimmt letzteres jedoch eine Sonderstellung ein, da es zusätzlich mit einem Fußpedal mit dem linken Fuß geöffnet und geschlossen werden kann, wodurch ein sogenannter "Backbeat-Kick" erzeugt werden kann. Die Bassdrum wird mit dem rechten Fuß betätigt, bei einem Double-Bass-System kann sie mit beiden Füßen betätigt werden. Das Ridebecken wird meist ausschließlich mit der rechten Hand gespielt.
Grund für diesen Aufbau ist die Notwendigkeit, ein System zu erreichen, bei dem alle klingenden Teile für den mit allen vier Gliedmaßen spielenden Schlagzeuger schnell und effektiv erreicht werden können. Zudem können gewisse Klangeffekte nur mit speziellen Schlegeln erreicht werden, so dass insbesondere die Betätigung der Bassdrum mit einem per Fußpedal bedienten kräftigen Filzschlegel naheliegt. Darüber hinaus ist auch ein trainierter Schlagzeuger in der "Beinarbeit" naturgemäß limitiert, so dass alle Trommeln und Becken, auf denen ein besonders schneller Rhythmus gespielt werden muss, mit den in den Händen gehaltenen Stöcken (engl. Drum Sticks) erreichbar sein müssen.
Minimaler Aufbau
Entsprechend den oben erwähnten vier Gliedmaßen genügen für ein Schlagzeug sogar grundsätzlich Snare (linke Hand), Bassdrum (rechter Fuß), Becken (Ride- und Crash-Funktion in einem, rechte Hand), Hihat (linker Fuß). Besonders in der Zeit vor den 1950er Jahren war dies auch der Grundaufbau des Schlagzeugs, vor allem im Swing. Selbst bekannte Schlagzeuger scheuten sich nicht, so aufzutreten. Alle weiteren Teilinstrumente, z.B. Tomtoms, weitere Becken, Kuhglocken usw, bringen ins Schlagzeug eigentlich nur 'Farbe', das heißt, sie machen den Klang abwechslungsreicher. Bei einigem Geschick lassen sich zudem eine Fülle von Klängen und Geräuschen erzeugen oder imitieren, indem alle Teile des Schlagzeugs in das Spiel mit einbezogen werden. So machte sich Buddy Rich, berühmter Jazz- und besonders Big-Band-Schlagzeuger zwischen etwa 1940-85 und damals zuweilen als 'bester Schlagzeuger der Welt' bezeichnet, den Spaß, in seine Schlagzeugsoli auch alle Metall-Ständer und den Schlagzeugsitz mit einzubeziehen.
Aufbauvarianten
Im allgemeinen ist der Aufbau eines Schlagzeuges keiner Norm unterworfen. So hat es über die Historie hinweg immer wieder Schlagzeuger gegeben, die diese klassischen Aufbaukonzepte bewusst oder aus ihren Bedürfnissen heraus aufgebrochen und sich zum Teil weithin etabliert haben.
Gerade in jüngerer Zeit haben sich eine Vielzahl von Varianten des Standardaufbaus entwickelt. So integrieten Schlagzeuger wie John Bonham Pauken in ihr Set und erweiterten es um zusätzliche Trommeln und Becken. Schon früh wurden auch Kuhglocken, Tamburine und Woodblocks (hölzerne Klangkörper) integriert. Bedeutende Innovation war die Entwicklung der Double Bass-Technik, das heißt der Einführung einer zweiten Bassdrum, die mit dem linken Fuß gespielt wird bzw. der Einsatz einer Doppelfußmaschine, die das Spielen mit beiden Füßen auf einer Bassdrum ermöglicht. Der so ermöglichte, äußerst schnelle Double-Bass-Groove wurde charakteristisch für Heavy-Metal.
In den 80er Jahren kamen auch mehr und mehr elektronische Varianten in den Handel. Hierbei wird das klangerzeugende Signal (Trigger) an einen Synthesizer oder Sampler übergeben, der den eigentlichen Klang erzeugt. Diese in den 80er und Anfang der 90er Jahre stark vertretene Variante des Schlagzeuges behauptet sich heutzutage nur noch in Nischen. Für die elektronische Erzeugung von Schlagzeugklängen wird nach wie vor häufig auf sog. Drumcomputer zurückgegriffen. Es gibt aber zunehmend spezielle Software für sonst allgemein übliche Computer.
Materialien
Die Trommeln sind heutzutage meist beidseits mit Fellen aus Kunststoff bespannt. Das bespielte Fell heißt Schlagfell, das nicht bespielte, an der Unterseite der Trommel mitschwingende Fell nennt man Resonanzfell. Die Felle werden auf den Trommelkessel gelegt. Mit Trommelreifen aus Metall oder Holz und mit 6 bis 12 Stimmschrauben, je nach Durchmesser der Trommeln, wird jedes Fell aufgespannt. Jede Stimmschraube läßt durch bequemes Drehen das Fell schnell lockern oder spannen und damit rasch tiefer oder höher stimmen. Die Kessel der großen Trommel und der TomToms sind meistens aus Holz. Das populärste Holz ist Ahorn (Maple), es gibt jedoch auch Kessel aus Birke, Buche, Pappel und anderen, exotischen Hölzern, mit jeweils verschiedenen Klangeigenschaften. Verschiedene Hersteller experimentieren immer wieder mit Kunststoffkesseln, die sich aber bisher noch nicht durchgesetzt haben. Die Snaredrum kann einen Kessel aus Stahl, Messing, Kupfer, Aluminium oder Holz haben. Becken oder Cymbals bestehen in der Regel aus Legierungen wie Messing oder Bronze, wobei Bronze als das bessere Material für Becken gilt. Jeder Hersteller verwendet geringfügig verschiedene Legierung und Herstellungsprozesse. Die Sticks werden aus Holz, weniger aus Kunststoff und selten aus Metall gefertigt, Schlagzeug-Besen aus Kunststoff oder Metall. Sonstige Schlägelarten bestehen zumeist aus Holz.
Die Größen der Trommeln und Becken werden in Zoll (Inch, 1 Inch = ca. 2,54 cm) angegeben. Typische Trommeldurchmesser sind:
- Bassdrum: 16 bis 22 Zoll (manchmal auch bis 26 Zoll)
- Snare: 10 bis 14 Zoll
- TomTom: 8 bis 18 Zoll
Je nach Stilrichtung können verschiedene Kombinationen vorkommen.