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Letztes Update: 18.11.2017

Über 100 Jahre hindurch galt in St. Georgen unbestritten das Jahr 1847 als Gründungsjahr. Beweis dafür war der Firstbaum im Wirtschaftsgebäude des Kohlschnaitgutes, in den der damalige Besitzer Alois Hofer das Gründungsjahr der Musikkapelle eingeschnitzt hat, nämlich 1847. Die Annahme, dass Hofer in diesem Jahr lediglich Kapellmeister wurde, mag bezweifelt werden, denn unsere Bauern waren und sind in ihrer ganzen Art viel zu bescheiden, als dass sie einem solchen Umstand ein solches Gewicht beimessen würden, dass es am Firstbaum "verewigt" werden müsste.

Die Gründung der Kapelle, das war ein Ereignis, das der Nachwelt in Erinnerung bleiben sollte. Dementsprechend schickte sich die TMK St. Georgen im Jahr 1960 auch an, ihr 110-jähriges Bestandsfest zu feiern. Da gab es aber auf einmal dann Aussagen alter St. Georgener Musiker, die meinten, die Kapelle habe 1847 schon lange bestanden, es müsse mindestens 1835 das Gründungsjahr gewesen sein.

Sicherlich haben die damals schon recht alten Mitglieder der Musik - der Kesselries-Vater war immerhin schon 86 Jahre alt und der verdiente ehemalige Kapellmeister Rupert Hinterbichler war auch schon 79 - in gutem Glauben den Bestand vorverlegt und ganz so unrecht hatten sie damit gar nicht einmal. Wenn man bedenkt, dass damals Musik nur "lebend" dargeboten werden musste, dass es noch keine Möglichkeit der "Speicherung" gab, dann versteht man auch, dass mehr wie heute auch auf dem Land in kleinen Gruppen musiziert wurde. Es war ja erst 1877 der Phonograph, die "Sprechmaschine", wie das spätere Grammophon genannt wurde, erfunden worden und es hat noch Jahrzehnte gedauert, bis auch hier auf dem Lande die ersten Grammophone aufgetaucht sind.

Daher versteht man auch - und das ist erwiesen - dass sich dann jeweils mehrere solche kleine Gruppen - das war auch in anderen Orten, wie etwa im benachbarten Bruck so - bei dörflichen Festen oder zur Verschönerung des Gottesdienstes, wie z. B. bei Prozessionen zu einer "Musikbande" zusammengeschlossen haben. Nachher ging man wieder auseinander und spielte in der kleinen angestammten Gruppe weiter. Vielleicht sind hier in St. Georgen immer die gleichen Spielgruppen zusammengekommen, um bei solchen Anlässen gemeinsam zu spielen, so dass es durchaus den Eindruck erweckt haben mag, es bestehe tatsächlich schon eine regelrechte Musikkapelle. Möglicherweise hat auch der erste bekannte Kapellmeister, eben der Kohlschnaitbauer Alois Hofer, diese "Musikbande" jeweils zusammengestellt. Ganz verkehrt ist es also nicht, anzunehmen, dass es schon vor 1847 eine gemeinsam spielende Musikantengruppe gegeben haben mag.

Die Freude an der Musik war bei den Menschen in unseren Talbereichen schon immer vorhanden. Es ist ja bekannt, dass gerade hier am Lande fast durchwegs nach dem Gehör gespielt wurde und man, besonders in der kleinen Gruppe, Noten gar nicht kannte. Diese echte, aus dem Empfinden und der Stimmung kommende Musikalität begründete ja die Volksmusik, diese unverfälschte frische oder auch melancholische Melodie, die meist nur aus der Eingabe heraus entstand. Da es zudem eine andere Art Musik zu machen nicht gab als die selbst gespielte, entstanden natürlich überall mehrere kleine Gruppen, die an den Feierabenden oder zu besonderen Anlässen zur Unterhaltung oder zum Tanz aufspielten. Diese Gruppen haben sich jeweils - es wurde bereits angeführt - zu einer "Musikbande", wie man dies damals keineswegs abwertend nannte, zusammengeschlossen und sind meist nach Erfüllung der speziellen Aufgaben wieder in ihre kleinen angestammten Gruppen zurückgekehrt. So war es z. B. erwiesener Maßen am 18. November 1866 in Brück anlässlich einer Cäcilienfeier der Fall und wiederum am 25. September 1875, als der Forstwart Adametz bei der Pferdeausstellung mit seiner "gut geschulten Musikbande verschiedene sehr nette Stücke spielte".

Als ersten Kapellmeister kann man mit Sicherheit den damaligen Kohlschnaitbauern Alois HOFER annehmen. Er war begeisterter Musikant und spielte mit anderen Gleichgesinnten bei jeder Gelegenheit auf. Er wurde 1803 geboren und war im Gründungsjahr 1835 also gerade 32 Jahre alt. Hofer ist am 14. Juli 1877 in seinem 74. Lebensjahr gestorben.

Nach ihm wird wohl einer aus der ursprünglichen Musikantengruppe um Hofer die Musikbande weiter zusammengehalten haben, es war dies Georg MACHREICH, Kesselriesbauer. Dieser Georg Machreich wurde im Jahre 1843 geboren und starb am 23. Mai 1896. Beim Tod des Alois Hofer war er 34 Jahre alt. Die Musikalität hat dieser alte Kesselrieser an seine Söhne weitergegeben, an seinen Nachfolger im Heimgut und an den im Mitterreit. Der Kesselrieser Josef Machreich hat lange Jahre in der Musikkapelle gespielt. Man kann sich heute kaum mehr vorstellen, dass es so viel Liebe zum Musizieren geben konnte, weit vom Berg herab zu den Proben zu gehen, müde von der Last der Tagesarbeit und zu später Nachtstunde mit dem doch recht schweren Instrument am Rücken wieder weit den Berg hinauf. Der alte Kesselries-Vater Josef Machreich wurde am 15. September 1874 geboren und starb am 13. Mai 1961.

Es ist eigenartig, dass in St. Georgen immer die Dreißigjährigen sich an die Spitze der Musikkapelle stellten, denn als der Kesselrieser Georg Machreich wegen Überlastung mit anderer Arbeit aufhören musste, übernahm 1890 der Bindermeister Anton Voglstätter die Kapellmeisterstelle. Mit ihm trat aus dieser Familie der Binder ein bodenständiger fleißiger Musiker erstmals in Erscheinung. Die Musikkapelle war ihm bis zu seinem Tode im Jahre 1911 anvertraut. Anton Voglstätter wurde geboren am 15. Dezember 1858.

Und nun kam ab 1912 ein Mann, der nicht nur viel Liebe und Begabung zum Musizieren mitbrachte, der vielmehr auch ein ganz gerader und ausgeglichener Mann war, der zudem auch beruflich sehr geschätzt wurde, Rupert HINTERBICHLER. Wiederum war es ein Dreißigjähriger, denn der "Ruap" war geboren am 14. Juli 1881, er war also bei der Übernahme der großen Aufgabe genau 30 Jahre alt. Der Ausbruch des l. Weltkrieges machte allerdings das gemeinschaftliche Musizieren unmöglich, denn bald schon mussten fast alle Musiker in den Krieg ziehen, aus dem dann leider ein erheblicher Teil nicht mehr zurückkam. Der unermüdliche Ruap verstand es aber, in der harten Nachkriegszeit bald wieder an der Musik Begeisterte zu finden, er sammelte die wenigen Zurückgekehrten und bildete neue Musiker aus, so dass einige Jahre nach dem l. Weltkrieg hier in St. Georgen die Weisen einer kleinen Musikantenschar wieder erklangen. Bis zum Jahre 1934 war der Ruap Kapellmeister und viele junge Musikanten gingen durch seine Schule. Daneben war er aber auch eifriger Feuerwehrmann, er war auch Mitbegründer dieser Wehr, für ihn war das Helfen ein echtes Bedürfnis. Am 25. Februar 1967 starb Rupert Hinterbichler, er riss eine große Lücke auch in die dörfliche Gemeinschaft.

Das kleine Häuflein der Getreuen übernahm nach dem Ausscheiden des Ruap im Jahre 1934 dann Michel MACHREICH vom Mitterreit. Er ist am 11. Juli 1910 in St. Georgen geboren, war also bei der Übernahme der Kapellmeisterstelle erst 24 Jahre alt. Da kam aber dann das Jahr 1939, wiederum musste ein Großteil der jüngeren Musiker in den Krieg ziehen, in St. Georgen war es halt wiederum recht still geworden.

Mitten im Krieg, im Jahre 1943 begann dann Josef KASERER, Untermoosbauer, ältere Schüler als Musiker auszubilden und tatsächlich gelang es ihm, eine spielfähige Gruppe zusammenzustellen. Im Jahre 1949 musste Kaserer aber dann aus Gesundheitsgründen die Kapellmeisterschule aufgeben. Der am 27. März 1906 geborene Josef Kaserer hat sich große Verdienste um das Musizieren im Ort erworben.

Was lag wohl näher, als dass dann wiederum dem Mitterreit Michl die Kapelle anvertraut wurde. Es wurde eine lange Zeit, die auch manche Rückschläge brachte, immer aber wurden die dörflichen Feste von der Musikkapelle verschönert, immer wieder gelang es dem Michl, seine Musiker zusammenzuhalten und sie für das Spielen zu begeistern. Aus krankheitsbedingten Gründen musste Michl Machreich im Jahre 1962 die Kapellmeisterschule aufgeben und konnte auch als Musiker nicht mehr mittun. Für die 17jährige Tätigkeit als Kapellmeister, manchmal unter gar nicht leichten Voraussetzungen, bedankten sich die Kameraden der Kapelle schon 1961, indem sie ihren Michl zum Ehrenkapellmeister ernannten.

Und nun stand die Musikkapelle vor einigen Schwierigkeiten. Ein neuer Kapellmeister war noch nicht herangebildet worden und von den Jungen wagte sich noch keiner an die schwierige Aufgabe heran. Da sprang ein "Nicht-St. Georgener" ein, einer, der nicht einmal Mitglied der Kapelle war, Adolf KUSCHE. Er war als Sanitäter der Wehrmacht mit einem Luftwaffenlazarett im Jahre 1944 nach St. Georgen gekommen und nach Kriegsende blieb der geborene Wiener in St. Georgen und arbeitete als Hausmeister im Krankenhaus Zell am See. Adolf Kusche war ein überaus gefälliger, liebenswerter und hilfsbereiter Mensch und diese Hilfsbereitschaft mag ihn auch zum Einspringen bewogen haben, immerhin war der am 29. Mai 1899 Geborene damals schon 63 Jahre alt. Mit der Pensionierung zog Adolf Kusche am 30. April 1963 nach Wiener Neustadt. Er starb 1969. Jetzt war also wieder kein Kapellmeister da. Nun wagte es einer von den Musikern, Franz OBERHUBER. Er war einige Jahre vorher schon aus Ostermieting in diese Gegend gekommen, allerdings wohnte er in Taxenbach und zwar in Oberbrunnock. Oberhuber spielte zuerst bei der Musikkapelle Taxenbach und spielte dann auch mit den St. Georgener mit. Berufsbedingt ist Franz Oberhuber dann 1965 nach Piesendorf verzogen.

Und da brachte dann endlich einer von den Jungen den Mut auf, die Kapelle zu übernehmen, Hans ÖTTL. Der am 11. Oktober 1945 in St. Georgen geborene Öttl war damals gerade 20 Jahre alt, er war damit der jüngste Kapellmeister im Land Salzburg. Öttl ging mit jugendlichem Schwung an die Aufgabe heran, er bemühte sich - und tut es natürlich auch jetzt noch - junge Burschen und erstmals auch Mädchen für das Musizieren zu begeistern und übernahm auch die Ausbildung.

An den Erfolgen der Kapelle sind in erheblichem Maße auch die Obmänner beteiligt. Erstmals wurde im Jahr 1949 Peter VOGLSTÄTTER, der "Binder Peter", Obmann der Musikkapelle. Sein Hauptanliegen war, die Musiker einzukleiden, ihnen eine boden­ständige Tracht zu geben und als nächstes war der Peter bestrebt, ein Probelokal und damit für die Musiker eine Heimstätte zu schaffen. Schon 1949, in einer wahrhaftig noch recht schweren Zeit, wurde die Alttracht angeschafft und am Georgitag 1950 rückte die Musik zum ersten Mal in dieser schmucken Tracht aus, St. Georgen war nun auch "Trachtenmusikkapelle" geworden. Bei der Beschaffung dieser Tracht, aber auch bei allen anderen "Unternehmungen", die der Binder Peter für die Musikkapelle in die Wege leitete, wurde er in großzügiger Weise vom Altbürgermeister von St. Georgen, dem Sägewerksbesitzer und Walcherbauern Peter Leyerer unterstützt. Als Nächstes verfolgte der Peter mit Erfolg die Neuinstrumentierung. 1958 wurde auf die Normalstimmung umgestellt, wieder eine große Ausgabe für die kleine Dorfgemeinschaft. Die Krönung der Arbeit des Obmannes war aber die Schaffung der Voraussetzungen für den Bau des Musikerheimes, das dann tatsächlich in den Jahren 1962/63 errichtet werden konnte. Dieses Heim war eine Gemeinschaftsarbeit der ganzen Dorfgemeinschaft von St. Georgen: der Grund wurde vom Kirchenwirt gegen einen jährlichen Anerkennungszins von S l,- praktisch "geschenkt", die Bauern spendeten das Bauholz, andere wiederum sonst notwendiges Baumaterial oder Geld und die Musiker selbst leisteten ihren Beitrag durch zahlreiche unentgeltliche Schichten. Dieses Bauwerk ist ein dauerndes Denkmal des Zusammenhaltes und mahnt die St. Georgener, dass sie es auch weiterhin so halten mögen. Leider wurde der Binder Peter schon vorzeitig vom Herrgott aus dieser Welt abberufen, im Alter von nur 53 Jahren starb er am Pfingstmontag, dem 18. Mai 1964, gerade als die Freiwillige Feuerwehr von St. Georgen, deren Brandmeister-Stellvertreter der Peter war, das 60jährige Bestandsfest feierte. Sein Einsatz für die Dorfgemeinschaft wird in St. Georgen wohl noch lange in Erinnerung bleiben.

Infolge seiner schweren Erkrankung musste Peter Voglstätter vorzeitig seine Funktion aufgeben und es übernahm im Jahre 1963 der Bäckermeister Alexander HOHENWARTER die Obmannstelle. Hohenwarter ist selbst aktiver Musiker und setzt sich für die Musik voll und ganz ein, der Aufstieg und das hohe Ansehen, das sich die Trachtenmusikkapelle St. Georgen erwerben konnte, sind, neben dem Einsatz und der Leistung aller Musiker, zu einem guten Teil auch sein Verdienst. 1999 gab er dann nach 35-jähriger Tätigkeit das Amt des Obmannes ab.

Sein Nachfolger wurde Hansjörg GASSER, dessen erste Tätigkeit es war, seinen Vorgänger Xandi zum Ehrenobmann der TMK St. Georgen  zu ernennen.

Im November 2002 übergab - nach 37 Jahren - Kapellmeister Johann ÖTTL sein Amt seinem Nachfolger Karlheinz WALLNER, der nun die TMK leitet.